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Das Théâtre de Beaulieu setzt bei seinen Empfangsmitarbeitern auf die Erfahrung von Senioren

Das Théâtre de Beaulieu, eines der symbolträchtigsten Kulturzentren von Lausanne, beschäftigt seit Jahren gezielt Rentner als Empfangsmitarbeiter. Ihre Erfahrung und Professionalität sind für eine Institution, die das ganze Jahr über ein vielfältiges Publikum empfängt, von unschätzbarem Wert. Catherine Jodoin, stellvertretende Leiterin des Theaters, gibt einen Einblick hinter die Kulissen.
Das Théâtre de Beaulieu, das über 1600 Sitzplätze bietet und nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im zweiten Halbjahr 2022 wiedereröffnet wurde, ist ein führender Ort der Kunst und Kultur in der Hauptstadt des Kantons Waadt. Das Programm reicht von Theater und Tanz über Konzerte bis hin zu internationalen Veranstaltungen wie dem Béjart Ballet Lausanne oder dem Prix de Lausanne. Hinter den Kulissen sorgt ein engagiertes Team von Empfangsmitarbeitern – ein Drittel davon Senioren – für den reibungslosen Ablauf der Vorstellungen.
Willkommene Unterstützung
Seit mehreren Jahren setzt das Théâtre de Beaulieu gezielt auf ältere Mitarbeitende zur Verstärkung seines Empfangsteams. Ihre Aufgaben umfassen unter anderem den Einlassdienst, die Platzanweisung, die Garderobe, die Ticketkontrolle und die Evakuierung im Notfall. Diese Aufgaben werden zwar von einem gemischten Team aus jungen und älteren Mitarbeitenden übernommen, doch die Senioren bringen ein wertvolles Know-how mit. Dank ihrer langjährigen Erfahrung agieren sie professionell, ruhig und souverän – auch in herausfordernden Situationen. „Unsere älteren Mitarbeitenden sind genauso zuverlässig wie der Rest des Teams und oft sogar flexibler, da jüngere Kollegen, meist Studierende, häufiger ins Ausland gehen oder Praktika absolvieren“, erklärt Catherine Jodoin, stellvertretende Leiterin des Theaters.
Unabhängig vom Alter teilen alle Teammitglieder einem gemeinsamen Dienstplan und kommunizieren über eine Messenger-Gruppe, um Schichten zu organisieren oder anzupassen. Die Integration der Senioren verläuft dabei nahtlos. Sie übernehmen dieselben Aufgaben wie ihre jüngeren Kollegen – mit Ausnahme des Barservices. „Viele Senioren ziehen es vor, auf körperlich anstrengendere Tätigkeiten zu verzichten, und die Arbeit an der Bar erfordert ein hohes Tempo sowie stressresistentes Kassieren vor den Vorstellungen und während der Pausen.“
Freude an sozialen Austausch
Arbeiten nach der Pensionierung bringt Herausforderungen mit sich. So stellt sich bei älteren Mitarbeitenden gelegentlich die Frage, ob sie im Ernstfall bei einer Evakuierung unterstützen können – besonders bei den ältesten Teammitgliedern, die teilweise an die 80 Jahre alt sind. Mit 1.622 Sitzplätzen und einer durchschnittlichen Auslastung von 80 % erfordert eine Evakuierung sowohl physische als auch technische Fähigkeiten. Doch alle Empfangsmitarbeiter werden regelmässig in Sicherheitsmassnahmen geschult und wissen genau, welche Aufgaben sie im Notfall übernehmen müssen, erklärt Catherine Jodoin.
Trotz dieser Herausforderungen überwiegen für die meisten Senioren die sozialen Aspekte ihrer Tätigkeit. Viele engagieren sich nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil sie den Austausch mit einem vielfältigen Publikum und die Zugehörigkeit zu einem Team geniessen. Zudem haben Empfangsmitarbeiter gelegentlich die Möglichkeit, Vorstellungen zu besuchen. „Das Arbeitsumfeld und die Kollegen sind toll“ – ein Satz, der unter den älteren Mitarbeitern häufig fällt. Die generationsübergreifende Zusammenarbeit schafft eine familiäre Atmosphäre, in der manche bereits seit Jahrzehnten tätig sind.
Technische Kompetenz gefragt
Das Théâtre de Beaulieu zeigt, wie wertvoll die Erfahrung älterer Mitarbeitenden sein kann, ohne dabei auf professionelle Standards zu verzichten. Hinter jeder Empfangskraft steckt eine Geschichte – und die Tatsache, dass ein Drittel von ihnen pensioniert sind, verändert die Wahrnehmung dieser oft unsichtbaren, aber unverzichtbaren Fachkräfte.
Welche Qualitäten braucht es, um auch im Ruhestand beruflich aktiv zu bleiben? Catherine Jodoin betont, dass nicht nur der finanzielle Aspekt als Motivation dienen soll. Der Wunsch, sozial eingebunden und Teil eines Teams zu bleiben, sei essenziell. Zudem gewinnt der sichere Umgang mit moderner Technologie immer mehr an Bedeutung: Ob die Nutzung von Smartphones und Funkgeräten, die Kommunikation via WhatsApp, die digitale Übermittlung von Verfügbarkeiten oder das Scannen von QR-Codes – selbst in klassischen Empfangsberufen sind diese Fähigkeiten heute unerlässlich.